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am 2. Juni

Mahnmal Aspangbahnhof

Philipp Hammer - Vom ehemaligen Aspangbahnhof in Wien Landstraße wurden zwischen 1939 und 1942 zehntausende Jüdinnen und Juden deportiert. Bisher erinnert nur ein im Jahr 1983 errichteter Gedenkstein an die Vergangenheit dieses Ortes.

Der Aspangbahnhof um 1905

Der Wiener Aspangbahnhof war der zentrale Ort für die Deportation von Jüdinnen und Juden aus Wien und Österreich. Von hier aus starteten – nicht im Geheimen, sondern unter den Augen der Wiener Bevölkerung – 47 Züge zu Ghettos und Vernichtungslagern im Osten Europas. Zwischen 1939 und 1942 wurden vom Aspangbahnhof insgesamt 47.035 Jüdinnen und Juden deportiert, vor allem nach Theresienstadt, Minsk / Maly Trostinec oder Auschwitz. Nur 1.073 dieser Menschen haben überlebt.

Einer davon ist Rudolf Gelbard, der in einem Video von seiner Deportation vom Aspangbahnhof nach Theresienstadt am 1. Oktober 1942 berichtet: „Man hat sozusagen einen – militärisch würde man sagen – Marschbefehl bekommen, dass man sich mit soundsoviel Kilogramm dort und dort (in der Sammelstelle) einzufinden hatte.“ Vom Aspangbahnhof sind wir „dann, nach einer tagelangen Fahrt, einer fürchterlichen Fahrt nach Bauschowitz gekommen. Das war der Bahnhof. (…) Wir sind dort ins Lager gekommen gemeinsam mit den Eltern und da war schon das Ärgste – fürchterliche Erlebnisse schon am Bahnhof. (…) Da war schon klar, dass etwas Fürchterliches auf uns zukommt.“

Deportation from Vienna to Theresienstadt in October 1942. Testimony of Rudolf Gelbard.

Excerpt from the testimony of Rudolf Gelbard, describing his deportation from Vienna, the conditions during the trainride and the arrival to Theresienstadt in October 1942. For more details, click here: …

Video auf Youtube

Erika Kosnar (geb. Nemschitz) erzählt von Erlebnissen ihres jüdischen Vaters, der als Zwangsarbeiter für die Firma „Wiener Papier“ arbeitete und die Deportationen vom Aspangbahnhof beobachtet hat: „Er ist natürlich jeden Tag in einigermaßen aufgelöstem Zustand nach Hause gekommen, denn man wusste ja nicht, ob und wann man möglicherweise auch dran ist. (…) Die Leute haben immer gesagt, es hat keiner etwas gewusst. Aber entlang des ehemaligen Aspangbahnhofs ist eine Straße und auf der gegenüberliegenden Straßenseite sind Häuser aus der sogenannten Gründerzeit, also 1910. Es kann mir keiner erzählen, dass die Leute nicht beim Fenster heruntergeschaut haben und gesehen haben, in welcher Art und Weise man die Menschen dort verlädt. Und dass man die nicht auf Urlaub führt, dass hat man sich an fünf Fingern ausrechnen können.“

Erika Kosnar, geb. Nemschitz (*1932) über den Aspangbahnhof

Erika Nemschitz spricht über ihren Vater und seine Beobachtung der Deportationen, die über den Wiener Aspangbahnhof führten. Sie wurde 1932 als Tochter eines jüdischen Vaters und einer Mutter, die vom Christentum zum …

Video auf Youtube

Vierzig Jahre nach dem Abriss des Aspangbahnhofs im Jahr 1977 soll nun endlich eine der wohl größten Lücken in der österreichischen Erinnerungskultur geschlossen werden. Nach einem durch KÖR Kunst im öffentlichen Raum durchgeführten Wettbewerb haben Mitte Mai 2017 die Bauarbeiten für das - schon seit vielen Jahren geplante - Mahnmal im heutigen Leon-Zelman-Park begonnen.

Präsentation des Siegerprojektes für das Mahnmal Aspangbahnhof

Das Mahnmal wird deutlich an die grausame Vergangenheit des Ortes erinnern: „Die beiden schlichten Betonstränge liegen wie Bahngleise auf dem Erdboden. Am Beginn entspricht ihre Breite der Normweite von Schienen (1435mm), doch sie laufen immer weiter zusammen, um schließlich in einem Betonblock zu enden. (…) Die zusammenlaufenden Gleise enden in der Katastrophe, der Betonblock erinnert an einen Grabstein.“ So beschreiben PRINZpod, die GewinnerInnen der Ausschreibung, ihren Entwurf für das Mahnmal.

Die offizielle Eröffnung des Mahnmals Aspangbahnhof ist für Herbst 2017 geplant. Möge es dazu beitragen, dass die Geschichte dieses Ortes und das Schicksal seiner Opfer niemals in Vergessenheit geraten!


Quellen und weitere Informationen